Ungarn nach der Wahl: Péter Magyar bremst EU-Beitritt der Ukraine und setzt auf strenge Migrationspolitik. phunhoang

Nach dem überraschenden Wahlsieg von Péter Magyar und seiner Partei Tisza bei den Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April 2026 zeichnet sich ab, dass der politische Kurswechsel in Budapest weniger radikal ausfallen könnte als von manchen in Brüssel und Berlin erhofft. Der designierte Ministerpräsident hat in ersten Stellungnahmen klare Positionen zu zentralen EU-Themen bezogen, die teilweise Kontinuität zur bisherigen Linie unter Viktor Orbán erkennen lassen.

Magyar sprach sich gegen einen beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine aus. Er sehe einen solchen Schritt in den nächsten zehn Jahren nicht. Stattdessen plädierte er für das reguläre Aufnahmeverfahren und kündigte ein nationales Referendum in Ungarn an, in dem die Bürger über die Aufnahme der Ukraine abstimmen sollen. Diese Ankündigung dämpft die Erwartungen in Brüssel und Kiew, die nach dem Ende der Orbán-Ära auf eine rasche Öffnung gehofft hatten. Magyar betonte, Ungarn wolle konstruktiv mit der EU zusammenarbeiten, lehne aber eine Sonderbehandlung der Ukraine ab, solange der Krieg andauere.

Gleichzeitig signalisierte der Wahlsieger Bereitschaft, das von Orbán blockierte EU-Hilfspaket in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine nicht länger zu verhindern – unter der Bedingung, dass Ungarn von eigenen Beiträgen ausgenommen bleibe. Diese Haltung könnte die Freigabe der Mittel erleichtern, ohne dass Budapest direkte finanzielle Lasten trägt.

In der Migrationspolitik kündigte Magyar eine noch strengere Linie als unter Orbán an. Der Grenzzaun an der Südgrenze solle nicht nur erhalten, sondern ausgebessert und verstärkt werden. Ungarn werde das EU-Migrationspakt ablehnen und keine Quoten für die Aufnahme von Migranten akzeptieren. Magyar verwies auf Beispiele aus Polen und der Slowakei, wo ähnliche Positionen mit EU-Recht vereinbar seien. Diese Aussagen widersprechen den Hoffnungen linker und pro-europäischer Kräfte, die mit dem Ende der Orbán-Ära auf eine liberalere Migrationspolitik gesetzt hatten.

Die Reaktion aus Brüssel fiel entsprechend deutlich aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nutzte die Wahlniederlage Orbáns, um erneut die Abschaffung des nationalen Vetorechts in der Außen- und Sicherheitspolitik zu fordern. Sie sprach von notwendigem „Momentum“, um künftig mit qualifizierter Mehrheit entscheiden zu können – etwa bei Sanktionen gegen Russland oder Hilfen für die Ukraine. Kritiker sehen darin den Versuch, künftige Blockaden durch einzelne Mitgliedstaaten zu verhindern, warnen aber zugleich vor einem weiteren Demokratieabbau in der EU.

In Deutschland sorgt parallel die enge Abstimmung von Bundeskanzler Friedrich Merz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für Diskussionen. Bei einem Besuch in Berlin sagte Merz weitere Unterstützung zu und sprach sich für eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine aus, auch wenn diese nicht unmittelbar bevorstehe. Deutschland plant in diesem Jahr allein 11,5 Milliarden Euro an Hilfen für die Ukraine. Gleichzeitig wird im Inland über Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen diskutiert, darunter Kürzungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Einschränkungen bei der Familienversicherung in den Krankenkassen. Die Debatte, ob eigene Bürger zurückstehen müssen, während hohe Summen ins Ausland fließen, gewinnt an Schärfe.

Magyar selbst distanzierte sich in ersten Äußerungen von einer reinen Pro-EU-Wende. Er wolle die Beziehungen zu Brüssel reparieren und EU-Gelder für Ungarn freisetzen, bleibe aber bei sensiblen Themen wie Migration und Ukraine-Beitritt eigenständig. Beobachter sprechen von einer möglichen Fortsetzung des „Orbánismus“ in abgeschwächter Form – mit weniger Konfrontation nach innen, aber ähnlich klarer Interessenvertretung nach außen. Ob Magyar eine positive oder enttäuschende Überraschung für die EU wird, bleibt abzuwarten. Erste Signale deuten jedoch darauf hin, dass Ungarn nicht zum willfährigen Partner Brüssels werden dürfte.

Die Entwicklungen in Budapest werfen ein Schlaglicht auf tiefere Spannungen innerhalb der EU. Während einige Mitgliedstaaten auf mehr Integration und Mehrheitsentscheidungen drängen, pochen andere auf nationale Souveränität. Die Forderung nach Abschaffung des Vetos könnte die Debatte um die Zukunft der Union weiter anheizen. Gleichzeitig zeigt der ungarische Fall, wie Wahlentscheidungen unerwartete Kontinuitäten schaffen können, selbst wenn sie als Regimewechsel gefeiert werden.

In Deutschland bleibt die Diskussion über Prioritäten in der Außen- und Innenpolitik virulent. Die Gegenüberstellung von Milliardenhilfen für die Ukraine und Sparzwängen im eigenen Sozialsystem nährt Kritik an der aktuellen Regierungslinie. Ob und wie Magyar seine angekündigten Positionen umsetzen wird, dürfte nicht nur für Ungarn, sondern für die gesamte europäische Politik von Bedeutung sein.

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